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Das Handy als disruptive Technologie

Juni 13, 2007 | In: Informationen

Eine disruptive Technologie ist eine Technologie, die bei ihrer Einführung ein Anwendungsproblem im Vergleich zu existierenden Technologien nicht nur nicht perfekt sondern sogar schlechter löst, aber dafür einen neuen Kundennutzen inne hat, der schnell anwachsen kann.

Ein Beispiel aus der Gegenwart ist das Handy. Als das erste Handy verkauft wurde, war dieses aus heutiger Sicht erstaunlich teuer, die Sprachqualität war im Vergleich zum Festnetztelefon sehr schlecht (dies ist zum Teil noch heute der Fall) und die Marktpenetration der Handys tendierte am Anfang des Technologie-Lebenszykluses verständlicher Weise gegen Null. Aufgrund der extremen Verfügbarkeit von konventionellen leitungsgebundenen Telefonen standen die Anschaffungskosten der Handys für die meisten Endkonsumenten in keinem vernünftigen Verhältnis zur Nutzung von öffentlichen Telefonzellen, hatte man unterwegs das Bedürfnis zu telefonieren.

Dennoch hatten die Handys einen neuen Kundennutzen hervorgebracht, nämlich den konkreten Nutzen auch unterwegs telefonieren zu können und zwar inbound und outbound, wie man im Englischen Sprachraum sagt. Es konnten also auch auf einer Autofahrt aktiv Gespräche geführt werden und auch Gespräche angenommen werden. Mit fallenden Minutenpreisen wurden die mobilen Telefone zunehmend auch für Ottonormalverbraucher konkurrenzfähig. Zunächst konnten die Telefongesellschaften zusätzliche Telefonminuten verkaufen, die im Festnetzgeschäft gar nicht hätten generiert werden können. Mit den weiter fallenden Gesprächspreisen und einer einhergehenden verbesserten Gesprächsqualität in den Mobilfunknetzen gelang es den Mobilfunkgesellschaften, Festnetztelefonate zu substituieren.

Aufgrund dieses Sachverhaltes werden Telefone möglicherweise eines Tages obsolet und durch die Handys ersetzt. Tritt dieses Szenario ein, dass durchleidet das Telefon das selbe Schicksal, welches es ca. 100 Jahre früher – selber in der Rolle einer disruptiven Technologie – dem Telegrafen zufügte. Das Telefon hat heute allerdings das Pech, dass mit Voice over IP – also der Internettelefonie – eine weitere disruptive Technologie zum Angriff bläst.

Man darf gespannt sein, wie lange das Telefon sich angesichts dieser Konkurrenzsituation noch durchsetzen kann. Die Situation ist aber interessanter als bei der Ablösung des Telegraphen, weil sich Mobil- und Festnetz ergänzen und die gleiche Funktion haben, nämlich die fernmündliche Kommunikation zu ermöglichen.

Benjamin Bernemann

Telefon.de Handels AG

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